Scratchbook

Das Leben ist immer anders als die Realität.

Was Sterbende am meisten bereuen

Claude, 16. Mai 2013, 21:39 Uhr

Eine australische Krankenschwester hat während Jahren Sterbende begleitet. In einem Buch hält sie deren letzte Gedanken fest.

Bild einer vergehenden Erdkugel auf der Hand
«Hätte ich doch…»: Viele Sterbende realisieren erst wenn es zu spät ist, dass sie ihr Leben anders hätten leben wollen.

Die Australierin Bronnie Ware hat während acht Jahren als Palliativpflegerin in Surrey im Südosten Englands gearbeitet. Hier hat sie Sterbende in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet. Während der zahlreichen und ausführlichen Gespräche wurde Bronnie Ware Zeugin, was Menschen im allerletzten Lebensabschnitt bewegt. «Wenn Menschen mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert werden, wachsen sie innerlich», schreibt Ware auf ihrem Blog «Inspiraton and Chai», mit dem sie «Menschen inspirieren will».

Doch als Sterbehelferin hat Ware nicht nur gelernt, das Wachstum «eines Menschen nie zu unterschätzen», sondern sie hat auch die breite Emotionspalette kennen gelernt, die in den letzten Momenten eines Menschen in ihm hochkomme, so Ware. Ärger, Wut, Reue – und meistens ein Rückblick auf das eigene Leben verbunden mit den Gedanken, was man lieber anders gemacht hätte. Diese Erkenntnisse und Erfahrungen mit Sterbenden hat Bronnie Ware nun in ihrem Buch «The Top Five Regrets of the Dying» (Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen) zusammengefasst.

1. «Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben»
«Wenn Menschen realisieren, dass sich ihr Leben dem Ende neigt, ist es einfach zu sehen, wie viele Träume unerfüllt verpufft sind. Die meisten der Sterbenden, die ich begleitet habe, hatten nicht einmal die Hälfte ihrer Träume verwirklicht und mussten mit der Gewissheit sterben, dass sie selber dafür verantwortlich waren: Weil sie gewisse Entscheidungen gefällt oder eben nicht gefällt hatten. Statt auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören, hatten sie das Leben gelebt, das andere von ihnen erwartet hatten.»

2. «Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet»
«Jeder männliche Patient, den ich in den Tod begleitet habe, hat diesen Satz gesagt. Sie bedauerten, die Kindheit ihres Nachwuchses und die Gesellschaft ihrer Partner verpasst zu haben. Zwar äusserten auch Frauen dieses Bedauern, aber weil die meisten von ihnen einer älteren Generation angehörten, waren nur wenige vollberuflich engagiert gewesen. Aber die Männer bereuten ausnahmslos so viel Zeit ihres Lebens in den Tretmühlen der Arbeitswelt verbracht zu haben.»

3. «Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken»
«Viele Menschen mit denen ich zu tun hatte, haben ein Leben lang ihre Gefühle ‹der Harmonie willen› unterdrückt. Was dazu führte, dass sie sich mit einem mittelmässigen Dasein zufrieden gaben und sie sich nie zu jenem Menschen entwickeln konnten, der sie wirklich sein wollten. Ich denke, viele Krankheiten sind auf diese Verbitterung und Unzufriedenheit zurückzuführen.»

4. «Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben»
«Viele meiner Patienten erkannten erst in ihren letzten Wochen, wie wertvoll ihre Freundschaften waren. Aber sie waren dermassen von ihrem Leben eingespannt gewesen, dass sie ihre Freunde während Jahren vernachlässigt oder ganz aus den Augen verloren hatten. Und jetzt, als sich ihr Leben dem Ende neigte, war es teilweise leider unmöglich diese alten Freunde ausfindig zu machen, um sie noch einmal zu sehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jeder Sterbende seine Freunde von früher vermisst.»

5. «Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein»
«So viele Menschen realisieren erst am Ende, dass das Glücklichsein eine persönliche Wahl ist. Statt sich für das Glück zu entscheiden, bleiben viele in alten Mustern und Gewohnheiten gefangen. Die Angst vor Veränderung brachte sie so weit, während Jahren ihrem Umfeld und auch sich selber vorzugaukeln, dass sie zufrieden mit ihrem Leben seien. Obwohl sie sich tief in ihrem Innern danach sehnten, von Herzen zu lachen und wieder echten Spass in ihr Leben zu lassen.»

(Quelle, Originalquelle)

Happy Bicycle Day!

Claude, 19. April 2013, 11:06 Uhr

Albert Hofmann bike ride LSD Filz

Psychedelics are not illegal because a loving government is concerned that you will hurt yourself by smoking pot or tripping in you bedroom. Psychedelics are illegal because they make you question authority. They open your eyes and lead you to question the wrongs of society in a fundamental way. Psychedelics are anti-brainwashing agents.

On April 16, 1943, Swiss chemist Albert Hofmann accidentally dosed himself with minute traces of Lysergic Acid Diethylamide-25 that had been sitting on his chemical shelf for five years just waiting to be unleashed like a magical genie on the world, granting wishes. As the world’s first laboratory-synthesized inner space journey came on, Hofmann began seeing “images of extraordinary plasticity and vividness… accompanied by an intense, kaleidoscopic-like play of colors.” Three days later, on April 19, Hofmann took the first deliberate LSD trip and, totally, meltingly overcome by the intensity of his experience, was forced to bicycle home and into the history books.

Bicycle Day commemorates that original bicycle trip that changed the world and helped give birth to the psychedelic counterculture movement. The act of coming together is a symbolic gesture for a subculture, not necessarily one involving drugs. Bicycle Day has been celebrated officially around the world since 1986, when the Californian psychedelic community rallied against the dictatorial oppression of the American “War on Drugs”— subverting the propaganda machine of the government by coming together to play, laugh… and ride bikes. What fun!

As part of the global commemoration of psychedelic subculture’s only Holy-day, everyone is invited to celebrate with their own private ride into the Unknown. As group anarchy mutates into organized chaos, you too get to be a part of the organizing committee.

So remember, buckle up, wear a helmet and a smile, think safety first at all times, and…

On your bike, trippers!
Happy Birthday!

bicycle_day.pdf

Käptn Peng

Claude, 6. April 2013, 22:18 Uhr


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Valentinstag

Claude, 16. Februar 2013, 20:23 Uhr

herz puls formt mittelfinger

Überall Herzchen und Blumen. Am Eingang zum Technopark werden Herzgebäcke verteilt. Die Free Software Foundation macht einen “I ♥ Free Software” Tag. Valentinstag – der Tag der Liebenden, so sagt die Wikipedia.

Valentine’s Day traditionally is a day to show and celebrate love.

Ich finde es gut, freie Software zu verbreiten und seine Liebe dazu zu zeigen. Aber: Nur an einem Tag? Was ist mit den anderen 364 Tagen? Ich liebe freie Software jeden Tag.

Ganz allgemein: Was ist mit den anderen Tagen? An Valentinstag sind wir alle lieb und nett zueinander, und danach schlagen wir uns wieder die Köpfe ein, wie gewohnt. Das erinnert mich an die Kirche. Am Sonntag sind wir alle lieb und nett zueinander, lächeln, geben uns die Hände – aber Montags bis Samstags dreschen wir aufeinander ein, natürlich. Was für eine Heuchelei.

Braucht Liebe ein Datum?

Dieses gestellte “jetzt-sind-wir-alle-nett-zueinander”, ich kann es nicht ausstehen. Ich bin am Valentinstag mit gestrecktem Mittelfinger in der Jackentasche an den blinkenden Herzchen in den Schaufenstern vorbeigegangen. Scheiss auf Valentinstag.

Aber gelegentlich schreibe ich ein E-Mail mit Lob und Anerkennung an einen guten Freund, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Oder bedanke mich bei meinem Vermieter mit einem St. Galler Biber für die Renovation. Oder hab spontan ein Lächeln übrig für das fröhliche Kind, das mir auf dem Nachhauseweg entgegenkommt.

Meine Valentinstage sind an potentiell dreihundervierundsechzig Tagen im Jahr. Ganz spontan. Dann aber ehrlich und von Herzen.

Spiel mit dem Feuer

Claude, 4. Februar 2013, 19:43 Uhr

feuertänzer mit feuerstab

“Darf ich den mal ausprobieren?”

Vorsichtig träufle ich Petrol auf die beiden Filzenden des Feuerstabs. Wir sind in einer Waldhütte auf einem Psylocybin-Trip. Draussen liegt eine dicke Scheedecke, und nachdem ich die fraktale mathematische Struktur des Schnees gesehen habe, die geheimnisvollen Bienenwabenmuster in der Glut des Feuers etwas zurückgehen, die Makroskopie- und Mikroskopie-Effekte nachlassen – kurz: Eine ruhigere Phase des Trips anfängt, verspüre ich grosse Lust, den Feuerstab auszuprobieren.

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2012: Rückblick. Einblick. Ausblick.

Claude, 21. Dezember 2012, 13:33 Uhr

Logbucheintrag für das Jahr 2012

Rückblick

Ein Blick aufs Inhaltsverzeichnis.

Wir gingen bei eisiger Kälte von minus ∞*∞^∞*10Googolplexplexplex Grad unter Null in Zürich demonstrieren. Gegen ACTA. Erfolgreich: ACTA ist vom Tisch! Und was lernen wir daraus? Wenn nur genug Leute Stunk machen, dann bewirkt das wirklich was! Sensationell, das zu sehen. Macht bitte weiter! Wir haben noch ein paar Grosskonzerne, die ich gerne zerschmettert sehen würde. Hier ist der 10 Punkteplan für das Handeln. Hoffentlich sieht dann die Welt in 19 Jahren besser aus.

“Die Meute ist über ACTA hergefallen und hat gewonnen.” Ganz recht. Aber – ist das Demokratie? Wenn der Staat sich daran stört, dass wir uns wehren? Der Staat gehört abgeschafft! Kontrolle und Autorität sind veraltete Formen des Zusammenlebens. Lasst uns eine Anarchie gründen!

Natürlich mögen die es nicht, wenn wir uns antiautoritär Verhalten. Denn antiautoritäres Verhalten = geisteskrank. Wir sollen unser Hirni in Strukturen pressen und Fackausweise machen. Dabei ist Schule Energieverschwendung.

Die können uns mal, mit ihrer Zensur. Daten sind essenziell. Daten müssen fliessen. Daten sind weder gut noch schlecht. Daten sind frei. The principles of datalove. Notfalls bauen wir unsere eigene Untergrund-Infrastruktur auf und bilden ein Widerstandsnetzwerk. Das Deepweb. How to exit the matrix.

Wir sind wütend! Wir sind wütend auf den ganzen Copyright- Trademark und Intellectual Property Bullshit. Fuck that, sagt Banksy. Und wir sind auch gefangen. Doch wir wollen nicht frei sein. Irgendwas mit Tomaten oder: Das dumme Schweizervolk. Die Kinder der Krise; die Wirtschaftszombieapokalypse. Ein Armutszeugnis.

Ich mag hochwertige Produkte, die lange halten, liebe Logitech. Hochwertige Mäuse. Oder echte Bücher aus Papier. Ganz besonders Tagebücher. Schreibt eure eigenen Tagebücher! Macht mehr Blogs! Ihr könnt und dürft über alles schreiben. Zum Beispiel über Erlebnisse beim Knochenbrecher. Oder über einen Selbstversuch mit Ritalin.

Selbstverständlich dürft ihr auch über Festivals schreiben. Zum Beispiel über das Feuerfestival. (Kommt ihr nächstes Jahr auch?) Auch mehrteilige Blogbeiträge über das Boom Festival sind erlaubt. Wer sich daran stört, soll seine Fresse halten und sein eigenes Tagebuch schreiben. Ich hab ein Problem, wenn die Menschen nicht wahrhaftig, echt, integer sind. Nicht das machen, was sie sagen. Obama zum Beispiel. Dieser Scheissneger labert seit Jahren von “CHAAAANGE, YIZZ WEH KÄHN.” Und macht einfach weiter mit dem Krieg. Dabei mögen der Iran und Israel sich ganz gut.

Euer Internet ist nur geborgt! Und wer kein Facebook Profil hat, macht sich verdächtig. Die Regierung fordert Zwang zum Entschlüsseln.

Aber hey, wir wehren uns! Wir bauen ein kryptographisches Vertrauensnetzwerk auf. Wir sind Piraten. Roflcopter gtfo! Unser Verschlüsselungsnetzwerk feuert aus tausend Rohren. Fuck you, Nvidia; fuck you, Apple! Wir sind Hacker, und wir haben den CCC Schweiz gegründet. Wir sind introvertiert machtvoll und wir mögen Ponies. Wir finden immer einen Weg.

Einblick

Einen Weg finden. Den Weg gehen. Das war mein Motto 2012. Der Weg – die Heldenreise.

So wie ich vor einem Jahr im Rückblick, Einblick, Ausblick geschrieben habe:

Lass die Heldenreise beginnen.

Und was ist passiert? Genau das!
Mind = blown.
Am Boom Festival wurden mir die Konzepte der Heldenreise mehrfach auf eindrückliche Weise erläutert, und mir wurde klar: Ich bin selbst auf der Reise, an diesem Festival. Ich gehe in unbekanntes Gebiet, mache Erfahrungen, bringe sie zurück und teile sie der Welt mit. Das ist genau das Konzept.

Und das wird sich wiederholen. Für immer.

Ausblick

Der Weg, den ich gegangen bin, geht weiter. Ich komme nun an ein Portal. Es ist klar, was folgt: Ich werde im nächsten Jahr 29.5 Jahre alt. Saturn’s Return. Und verdammt Leute, ich bin nervös. Was kommt da auf mich zu? Mein Leben wird auf einen Prüfstein gelegt. Ob ich das bestehe? Es ist wie eine Achterbahnschiene. Irgendwann geht’s runter. Wird’s schlimm? Ich will noch gar nicht viel dazu sagen. Wir werden sehen.

Augen zu und durch.

2010: Bewusstsein
2011: Magie
2012: Der Weg
2013: Saturn’s Return

Saturn’s Return

Claude, 20. Dezember 2012, 15:44 Uhr

sym_saturn

Es gibt ein paar astrologische Ereignisse, die jeden treffen. Eines davon ist der «Saturn’s Return». Saturn umkreist die Sonne alle 29,5 Jahre. Das bedeutet auch, dass er nach dieser Zeit wieder an genau der selben Stelle steht wie bei unserer Geburt. Und er stellt dir ein paar Fragen:

“Du bist bald 30 – was hast du mit deinem Leben bisher gemacht?”

“Die Zeit fliesst vorbei. Fang was richtiges an. Etwas langfristiges.”

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Nochmals über das Tagebuchschreiben

Claude, 5. Oktober 2012, 23:10 Uhr

Das hat eine schöne Lawine losgetreten, damals, als ich diesen Artikel über das Tagebuchschreiben im Spick las. Ein Feuer entzündet hat er in mir. Nachdem ich diese wunderbar illustrierten Beispieltagebücher gesehen hatte, wusste ich einfach: “Ey, sowas brauch ich auch.”

So habe ich ein, zwei analoge Tagebüchlein vollgeschrieben. Dann für ein paar Jahre die Motivation verloren.
Dann wieder angefangen.
Und wieder ist es versandet.

Als ich dann aber im 2. Lehrjahr ein Webtagebuch begonnen hatte, kam ich nicht mehr davon los. Es sollte das Forum ablösen, das uns damals als Diskussionsplattform diente. Beiträge sollten chronologisch angeordnet werden, nicht mehr nach «Threads» – so dass jeder jeden neuen Beitrag sieht. Mehr an eine Zeitung angelehnt, mit dem Charme einer Schülerzeitung, wo jeder mitmachen konnte; inspiriert vom Typographiekurs der vorherigen Schule, abgeschaut von der Stadtzeitung. Serifenlose Titel, Fliesstext mit Serifen, Autor, Ort und Datum sollen nicht fehlen. So sah der erste Entwurf vom Scratchbook aus:

Ich war damals schampar fasziniert davon, wie PHP-Schleifen HTML-Code dynamisch erzeugen konnten. Wow!
Das alles entstand auf meinem Lehrlingsrechner, gstlehrpoww – GruppenSTationLEHRlingePrOzesseWarenWirtschaft. Schon damals habe ich darüber nachgedacht, das verteilte Systeme (technisch oder gesellschaftlich) eine tolle Sache sind. Schon damals habe ich Texte stehlen für eine gute Sache befunden. Schon damals hatte ich Banner geschaltet: Boykottiert die Musikindustrie! Um Informatik, Freizeit und Meinung soll es sich drehen. Und mit diesen beiden Zeichen hat alles angefangen:

<?

So fängt PHP Code an. Und so fing auch meine Programmiererlaufbahn an. Ein antikes Stück Code. Aber jeder fängt mal an.
Ich wollte eine verteilte Wissensdatenbank für Lehrlinge erstellen; damit wir unsere Arbeitsbücher elektronisch pflegen und als PDF-Download ziehen können. Aber daraus wurde nichts. Es blieb beim Tagebuch.

Experimentell war das schon immer. Entwickelt wurde direkt auf dem Server; ich blendete eine «Achtung wackelig» Meldung ein; Google macht das ja auch so (aka Beta). Mein Mobiltelefon konnte plötzlich Fotos an eine E-Mail Adresse schicken; und Schwupps, hatte ich auch gleich eine Schnittstelle dafür gebaut; die Snapshots waren geboren. Diese und viel anderer technischer Schnickschnack zierten unser liebgewonnenes Kritzelbuch.
Irgendwann habe ich dann das ganze auf WordPress gezügelt. Die Inhalte wurden plötzlich wichtiger als die Technik. Das Experiment läuft weiter. Weniger technisch, mehr textlich. Die Fremdbeiträge und Kommentare nahmen ab. Ich mache weiter. Tagebuch zum mitlesen. Als psychologisches Dampfablass-Ventil. Und als Sendestation im grossen, weiten Internet, um Bewusstsein zu schaffen. Bewusstsein für Dinge, die manche nicht merken. Dinge, die untergehen. Dinge, die hinterfragt und herausgefordert werden wollen.
Natürlich eignet es sich auch prima als Archiv für Texte. Ein Sammelsurium von tollen Dingen aus dem Internet, aus der Welt. Oder Erlebnissen, die als Erinnerung aufbewahrt werden. So wie die Tagebuchserie über das Boom-Festival.

Die Menschen gehen ans Boom, und finden im Internet wieder zusammen. So bekam ich folgende wunderbare Rückmeldung; und jetzt, wo ich die Boom-Tagebucheinträge und den Spick-Artikel übers Tagebuchschreiben nebeneinander lege, wird mir klar: Ich habe ein Tagebuch.

It had all components I find great in a diary and it kept me in excited reading it until the end. People don’t do this often, they just share photos in facebook and that’s that! Most wont bother, unless they have sheer pleasure in writing. Doing it means self-development, it is some sort of labor work, like making a dream diary (I do one, but written by hand!). World consumption culture is aligned with writing and yet it is not as well. A great percentage of livejournals were superseded by facebook.

Facebook, du scheisst mich an.

Nein – diese fuckingidiotengopferdammiarschlochhurensohnfacebook-Scheisse vernichtet Tagebücher!! Sie lässt die Leute nicht mehr über sich selbst nachdenken und beschäftigt sie mit sinnlosem Genichtsnutz. Wenn man sie fragt, was sie eigentlich so tun die ganze Zeit – “hmm, eigentlich nichts. Gefällt mir.”
Kein Tagebuch schreiben. Lieber schnell huschhusch ein Foto in dieses Fickbuch hochladen, teilen mit allen, gefällt mir, bumm ist die Luft duss. Wo bleibt der Tiefgang?

In der Welt da draussen. Wo es nur nach Quartalsabschlüssen tönt. Da frage ich mich oft, was das, was ich tue, für einen Wert hat. Jetzt habe ich eine Rückmeldung von einem Stranger erhalten. Tagebuchschreiben hat etwas mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun.

These diaries are an attempt to map the unchartered regions that experience has given rise to in one’s life in transformative moments, describing the atmosphere and the setting, as well as the interactive details around one’s perceptions when such ‘initiations’ and profound insights are taking place. These moments when the “peeling” of the ‘sensory deprivation layers’ of current reality occurs, unblock the wall of “LIFE” that had been formerly restricted. I know this makes sense to you because we see the world in similar ways. Beautiful.

Jetzt geht mir ein Licht auf. Tagebücher sind ganz individuelle, emotionale Artefakte des Menschen. Und ich tue das für mich. Für mich – allein. Ob das die Welt verändert, weiss ich nicht. Ich mach einfach mal. Mal schauen, was dann explodiert.
Es gibt hier keine Werbung. Und keine Google Analytics und so Gugus. Sondern Netzkultur. Erlebnisse. Experimente. Tiefgang. Aufmüpfig losrasseln und Rebellentum.

Ich wünschte mir mehr davon.

Mehr davon im Netz!

Schreibt eure eigenen Tagebücher.

Bitte.

Tagebuchschreiben

Claude, 28. September 2012, 13:49 Uhr

Fürs Tagebuchschreiben braucht man kein extra Schreiblustiger oder Schreibgewaltiger zu sein. Tagebuchschreiben heisst auch nicht unbedingt: jeden Tag schreiben. Manchmal hat man (sich) viel zu sagen, manchmal ist Funkstille im Kopf. Manchmal ist einem gar nicht zum Schreiben zumute. Doch oft lohnt es sich, einen Anlauf zu nehmen und etwas zu Papier zu bringen, um es «loszuwerden».

Die leeren Blätter nehmen einfach alles auf, was dich beschäftigt, sei das nun deine Zukunft, ein böser Traum, ein Zaubertrick, ein Streit… Auf dem Papier darfst du mit deinen Bleistiftzähnen so richtig zubeissen, darfst ein ganz Garstiger sein oder ein ganz Listiger. Wenn du das Tage­buch dann wieder weglegst, bist du vielleicht ein erstaunlich Friedfertiger, und wer weiss, mit der Zeit wird aus dir sogar ein Schreibsüchtiger.
Es gibt ganz verschiedene Tagebuch-Formen. Das zeigen die Beispiele auf den folgenden Seiten.

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Boom 2012, Tag 7: Abschied

Claude, 17. August 2012, 16:11 Uhr

Leichter Nebel liegt über dem Festivalgelände. Ich wusste, das dieser Moment kommen würde. Der Moment, wo es heisst: Zusammenpacken. Abschied.
Es ist noch dunkel. Und still. Die letzte Band hat diese Nacht im Dance Temple gespielt. Ich schlendere durch die Morgendämmerung. Frühstück. Und dabei den Sonnenaufgang beobachten.

Ab in den Boom Bus.

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