Scratchbook

Das Leben ist immer anders als die Realität.

The Github experience

Claude, 4. März 2011, 19:23 Uhr

Ich habe gerade die Vorteile, die Git & Github bieten, hautnah erfahren!

Hoh, da ist etwas tolles auf Github: node-search-engine. Ein auf node.js basierter Webcrawler, der das Internet durchsucht (asynchron und parallel, yay) und in einer CouchDB speichert.

*geifer* – gleich ausprobieren!

Ich mache also einen „Fork“.

Was passiert da: Das Repository node-search-engine, welches dem Benutzer kurokikaze gehört, wird unter meinen Account als eigenständiges Repository kopiert.

Jetzt gehörst du mir. Und ich kann dich klonen und drücken wie es mir beliebt.

Uuh, da läuft noch was nicht. Eine binäre Library funktioniert unter Mac OS X nicht, ein Syntaxfehler, und ein Funktionsname hat sich geändert.

So. Ich glaube jetzt läufts! Gleich committen und auf Github übertragen.

Hmm. Ich habe wohl gerade ein paar Bugs gefixt. Das Projekt liegt seit April 2010 brach – vielleicht freut sich der Entwickler ja über meine Verbesserungen.

Ich schicke ihm eine Pull-Anfrage:

Das heisst soviel wie: „Hey schau mal, ich habe da eine Verbesserung für dein Projekt – wenn es dir gefällt, kannst du diese Änderungen übernehmen!“

2 Minuten später:

Noch ein bisschen später:

Er ist dankbar und hat meine Verbesserungen gleich übernommen! YAY

Ist ja ein tolles Konzept! Jeder hat sein Repository. Jeder kann es kopieren. Es braucht keine Berechtigungen, kein „Hauptentwicklungszweig“. Was toll ist, wird geforkt, und wenn die Änderung passt, wird sie übernommen. Wenn nicht, existiert einfach ein Fork, eine Variante der Software eigenständig weiter.

Schläft die Entwicklung ein, finden sich sicher Entwickler um einen populären Fork, die ihn weiterentwickeln. Die Macht ist quasi nicht mehr bei den Entwicklern oder bei einer Firma, sondern bei der Software selbst. Die Firma mag Konkurs gehen, die Software lebt weiter. Der beste Fork gewinnt.

Erst durch Github wird das Opensource-Prinzip wirklich gelebt.

http://github.com/

GCP – Global Consciousness Project

Claude, 3. März 2011, 22:29 Uhr

Wenn wir schon beim Zufall sind – es gibt das „Global Consciousness Project„; wo weltweit Zufallszahlen aus weissem Rauschen gesammelt und ausgewertet werden. Man versucht, die Existenz eines globalen Bewusstseinsfeldes zu beweisen.

Der Clou: Ereignisse, welche viele Menschen auf der Welt emotional mitgerissen hat, verändern diese Zufallszahlen.

Periods of collective attention or emotion in widely distributed populations will correlate with deviations from expectation in a global network of physical random number generators.

Beispiel: Die Anschläge vom 11. September 2001:

Die rote Linie sind die Zahlen aus dem weissen Rauschen, die von Feldeffekttransistoren aufgezeichnet werden, und die blaue Linie sind computergenerierte Pseudo-Zufallszahlen.

Das Messinstrument ist ein REG – ein Random Event Generator:

Ich glaube ich weiss schon was mein nächstes Arduino-Projekt wird… 🙂

The Global Consciousness Project collects random numbers from around the world. These numbers are available on the GCP website. This website downloads those numbers once a minute and performs sophisticated analysis on these random numbers to see how coherent they are. That is, how probable it is that the numbers are generated as they are. The theory is that the Global Consciousness of all the people of the world affect these random numbers… Maybe they aren’t quite as random as we thought.

http://noosphere.princeton.edu/

Von Windows 1.0 bis Windows 7

Claude, 3. März 2011, 19:57 Uhr


YouTube Direkt

Amüsant. Windows 1.0 wird installiert; und davon ausgehend wird auf jede Windows-Version aktualisiert, bis hin zu (the latest and greatest) Windows 7…

Echter Zufall

Claude, 12. Februar 2011, 14:07 Uhr

openssl rand -base64 512

Dieses Kommando spuckt 512 zufällige Zeichen aus:

l0FNoT+ByrYfhYzu9UkiiSm4b2PGuZMYv+7uLCMjFp9PZ218C4KHbCfxw0upJ+El
599jvZIflAXGeX7Jf4Z7sGMdpER5aGb+yZw6MPUEfb60kWwPtpHUT2Ndi3qupFC3
zwHZUP+M6WUQ3yv9l/kMOgZ04VQBVyBZqKc8/Uc8deY8Ksn28OichFG33P2Ca2Fg
RuSABGI8u//3Go9UA0zMLDUu9Mb7NPAPSIQd1ddcTYj4qwTYZjCohWpwO/QIsps0
Ucfzw3sBMGysx2Hs8O+DauPHB6LjHdpdUbPZ8HWCDXKknHdzsLDGjcOTFzjp3PAW
pDAqprvz/zNfS9WLdUlEq7xvxiQwmXjBO8tQoJykTPH8a959sLt3ijFK0hzQFWW5
gLokJgySy6szGskrqFGN9HjvoRDELrq/aGa6TvGEstkj7zjnSEt9bgCvBUc9m3GS
E0StXa6iWl7L1x6Sa1YKHjHS0CzhQqerskbA1wSVpPa8857ckngyvs5DHDlBvgqr
M7ZgxZE7DzGROUhBfteivHFaHrLxsoZ9lYII1drdTIAgzrBB4qvNjw0mBBQ4fc7t
NpXzovFdl7MJLvvMoBBUX6RQFgmRgHl6JOht37L659Rr3eS9tUMA+CtgHjv3oplR
14Vj+KnMqRFdKv5RVFO7P5qUweWgL3serLA10n5JZJQ=

Jetzt ist die Frage: Sind die wirklich echt zufällig?

Dem Programm wurde gesagt: „Mach Zufallszahlen!“. Wenn du bei 4 bist, soll das nächste 8 sein. Das übernächste 49. Dann 2. Aber nur für diesen Durchlauf – beim nächsten mal sollst du andere Zahlen nehmen, aber nach einem ähnlichen Muster. Du darfst frei wählen.

Wie bringt man einer Maschine bei: „Du darfst frei wählen“?

Man kann nur einen Algorithmus schreiben, der eine Ausgabe möglichst immer anders aussehen lässt, möglichst gleichmässig verteilt.
Aber diese „zufällige“ Verteilung basiert auf Regeln. Somit ist sie berechenbar.

Alles, was auf Regeln basiert, ist berechenbar, und somit angreifbar.

Schlaue Füchse kommen auf die Idee, einen „echten“ Zufallsgenerator zu bauen:

RANDOM.ORG offers true random numbers to anyone on the Internet. The randomness comes from atmospheric noise, which for many purposes is better than the pseudo-random number algorithms typically used in computer programs.

Man zieht für die Generierung von „Zufall“ das Rauschen in der Atmosphäre hinzu. Ich könnte auch die Mausbewegungen aller Internetbenutzer in die Berechnung einfliessen lassen, oder die Reflexion einer unruhigen Wasseroberfläche mit einer Fotodiode einfangen. Somit bin ich unabhängig von der Maschine mit mathematischen Algorithmen.

ABER.

Ich bin leider nicht unabhängig vom Universum. 😉

Jedes einzelne Dingerchen, jede Wellenbewegung, jeder Reissack, der in China umfällt, jeder Windstoss – alles – alles hat seinen Grund. Wenn ich einen Stein ins Wasser werfe, dann erzeugt der Wellen. Diese Wellen verhalten sich nach physikalischen Regeln. Sie haben einen Grund, so zu sein.

Wenn ein Internetbenutzer mit der Maus auf das Google-Suchfeld fährt, dann tut er das aus einem Grund. Er will etwas suchen, getrieben vom Impuls der Neugier. Die Mausbewegung hat ihren Grund.

Alles, was passiert, hat seinen Grund. Weil das Universum auf Gesetzmässigkeiten basiert.

„Jede Ursache hat ihre Wirkung; jede Wirkung hat ihre Ursache; alles geschieht gesetzmäßig; Zufall ist nur ein Name für ein unbekanntes Gesetz; es gibt viele Pläne von Ursachen, aber nichts entgeht dem Gesetz.“
-Das Kybalion

Somit ist echter Zufall schlicht unmöglich.

Um echten Zufall zu erzeugen, müsste man mit einer Einstein-Rosen Brücke (aka Wurmloch) eine Verbindung in ein Paralleluniversum aufnehmen, welches unabhängig von unserem existiert – und auf völlig anderen Regeln basiert. Die Frage ist dann aber – können wir diese Daten, die da kommen, überhaupt verwerten? Vielleicht gibt es da gar keine Textzeichen, geschweige denn Text – falls sowas dort existiert.

Vielleicht tropfen dort Regenflöt mit dem Schlüsselbund vom Trottoirrand, weil elementare Schornsteine die Grösse eines tollwütigen Glühbirnenwechslers untertrieben haben – was dann einen autodidaktischen semi-halb Lebensbaum in der 38. Dimension um 2mm zurückentwickelt hat. Natürlich wird der Zahnradantrieb dort leicht mit dem kopfstehenden Kerzendocht verwechselt, weil die sublinguare Atomarschwingung den Proxy über zwei Eilandechsen überquert hat.
Was das genau bedeutet, kann ich euch auch nicht sagen. Es kommt ja nicht von diesem Universum. 😉

Da aber alles nur „dem einen“ entspringt, von dem es erschaffen wurde (nennen wir es ‚Gott‘), gibt es nichts ausserhalb. Wir müssten uns über das, was alles erschafft, stellen, um so ein Paralleluniversum mit komplett eigenen Regeln zu erschaffen.

Das wäre ja wie wenn mein Programm im Computer plötzlich anfängt, mir im echten Leben von sich selbst aus etwas zu erschaffen, weil es das für seine echten Zufallsberechnungen braucht, unabhängig von den Regeln seines Computersystems, dem es unterworfen ist.

Kann es das?

Nein.

Intergalaktischer Informationsbegleiter

Claude, 3. Februar 2011, 21:28 Uhr

…für Datenreisende.

Was: Jediritter Infopad. Reiseführer durch die Galaxis. Personal Messenger Pad.
Wie: Zugriff auf das globale Datennetz
Wann: Immer dabei bei wichtigen Missionen

Kennt ihr die? Diese Geräte, die Helden begleiten. In allen Filmen mit viel Raumschiff und Reisen durch’s Universum. Sie werden eingesetzt als Kommunikationsmittel, Notizblock, allwissendes Mobilterminal, Sonderbare-Steine-Analysegerät und scheinen niemals Strom zu verbrauchen.

Und wisst ihr was? So. Was. Gibts. Wirklich. !

Es heisst „Kindle„, kommt von Amazon, und war ursprünglich dazu gedacht, Bücher zu lesen.

Der Clou ist aber: Mit dabei ist, als „Experimental Feature“, ein vollwertiger Webkit-Browser mit Javascript Unterstützung.

Da ein Webbrowser alleine aber noch nicht sonderlich nützlich ist, gibt es gratis Internet dazu.
Und zwar weltweit. Ohne Abogebühr.

Jaaa, da staunst Du, he? Wusste ich nämlich auch nicht. Wissen die wenigsten… Weil das weltweite gratis Internet über 3G ist ein „nettes Nebenprodukt“…

Und wie lange der Akku wohl hält? Ein paar Stunden? Tage? Wochen? Ja genau. Ein paar Wochen. Da staunst Du grad nochmals, gell?

Warum das so ist: Das Display hat weder eine störende Hintergrundbeleuchtung, noch Pixel. Das Zauberwort heisst „E Ink“ – elektronische Tinte. Braucht nur Strom beim „Umblättern“.

Suchbild; finde den Pixel:

im Gegensatz zu euren tollen iPhones, die nach zwei Minuten schon „Akku! Akku! Akku!“ schreien, kann man dieses schicke Gerät zu recht als Mobile bezeichnen. Damit kann ich locker 2 Wochen irgendwo in die Türkei in die Flugferien und damit auf Wettersites zugreifen.

Hach – dieses Gerät versprüht mit seinem Monochrom-Display so einen Analog-Charme. Ich mag so unscheinbar altertümlich daherkommende Sachen, die aber hochwertigen futuristischen Schnickschnack eingebaut haben.

„Yes, it’s a Macintosh“ war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss.

The miserable programmer paradox

Claude, 31. Januar 2011, 19:07 Uhr

(hier gefunden)

What I call “the miserable programmer paradox” states the following:

“A good programmer will spend most of his time doing work that he hates, using tools and technologies that he also hates.”

This is a paradox in the sense that it’s a counterintuitive result; you’d expect that the bad programmers would spend their time with crappy technologies, while the excellent programmers would spend their time with super-awesome technologies. Right?

[mehr…]

Sichere Authentifizierung mit Javascript

Claude, 30. Januar 2011, 01:06 Uhr

Nightly hacking. Und zwar:

Es gibt soo viele Seiten, wo man sich nicht über eine verschlüsselte Verbindung anmeldet.
Tja, was tun, damit das Passwort nicht unverschlüsselt übertragen wird und in die Nase eines Netzwerkschnüfflers gerät?

Wir brauchen ein Taschentuch. Und wickeln das Passwort dort drin ein.

Der Server generiert ein Taschentuch. In diesem Fall eine Zufallszahl:

$_SESSION['challenge'] = sha1(mt_rand(0, 1000000) . mktime());

Das schicken wir an den Browser. Sieht dann so aus:

Das Chrüsimüsi bei „Server challenge“ ist unser Taschentuch. Das Verfahren heisst nämlich „Challenge-Response„.

Jetzt tippe ich mein Passwort ein. Vor dem Absenden wird mein Passwort zusammen mit dem Taschentuch verchrügelet und erst dann an den Server geschickt:

var sha1 = hex_sha1(passval + challenge);

Das da unten; ja genau da wo es heisst: „[password] =>“ – dort ist mein Passwort im Taschentuch drin. Dieses Gstellaasch wird an den Server geschickt.

Dort angekommen, macht der Server das gleiche. Er wickelt das Passwort aus der Datenbank in das gleiche Taschentuch ein und vergleicht sein Ergebnis mit dem vom Browser erhaltenen:

if (sha1($db_password . $_SESSION['challenge']) == $_POST['password']) 
{
	echo 'Logged in. <a href="">Reload</a>';
	session_destroy(); //wichtig, neues Taschentuch generieren #replay-attacks
}

Sind die beiden Ergebnisse identisch, war das Passwort richtig.

Sicherheitsmassnahme

Für den Fall, dass ich in meinem Browser aus Versehen kein Javascript aktiviert habe, und das Passwort nicht per Taschentuch durch’s Netzwerk reisen würde, sondern im Klartext, stelle ich das Passwortfeld als Platzhalter dar, welcher dann durch ein Eingabefeld ersetzt wird, wenn Javascript aktiviert ist.

Damit kann ich gar nicht erst ein Passwort eintippen…

So. Die Taschentuch-einwickel-Funktion (aka SHA1) habe ich hier gefunden.
Ausprobieren könnt ihr’s da: http://scratchbook.ch/js_challenge-response/
Den Code gibt’s auf Github: https://github.com/claudehohl/js_challenge-response/blob/master/index.php

INDECT: Überwachungsmaschinerie EU

Daniel, 21. Januar 2011, 18:51 Uhr

Seit 2001 wird ein Programm aufgebaut, welches eine nahenzu lückenlose Überwachung der Europäischen Bürger gewährleisten soll. Selbstverständlich müssen Sie keine Angst haben, es dient ja nur zu Ihrem Schutz um die bösen kriminellen zu jagen! Demzufolge ist also klar  nur die Verbrecher, Kriminiellen und Gauner sind gegen solche Systeme! „ironie“

Schauen wir uns den Auszug aus Wikipedia an:

Ziel des INDECT-Projekts ist die Bündelung von Hard- und Software verschiedener Überwachungstechnologien. Mittels „Predictive Analytics“ und „Relationship mining“ sollen Risiken analysiert und Straftaten vorhergesehen werden. Dazu setzt man einerseits auf die Überwachung des Internets mit Hilfe von Suchmaschinen zum schnellen Auffinden von Bildern und Videos mithilfe von Wasserzeichen sowie automatisierte Suchroutinen zur Aufspürung von beispielsweise Gewalt oder „abnormalem Verhalten“ sowohl im World Wide Web als auch im Usenet und in P2P-Netzwerken.[2][3] Dabei wird auch versucht, die Computerlinguistik dahingehend weiterzuentwickeln, dass die Suchroutinen in der Lage sind, Beziehungen zwischen Personen sowie den Kontext einer Unterhaltung, z.B. in Chats, bei der Interpretation der Sprache mit einzubeziehen.[4]

Darüber hinaus soll die Polizei mit Hilfe von INDECT bewegliche Objekte und Subjekte (Personen) beobachten können. Dazu sollen auch Prototypen mobiler Geräte entwickelt werden. Für dieses mobile städtische Überwachungssystem (Mobile Urban Observation System) sollen fliegende Kameras – so genannte Unmanned Aerial Vehicles (UAV, unbemannte fliegende Fahrzeuge) wie etwa Quadrocopter (Helicopter mit vier Propellern für den Auftrieb)– zum Einsatz kommen. Diese UAV sollen intelligent und autonom vernetzt werden und miteinander kooperieren, um verdächtige bewegliche Objekte sowohl zu identifizieren als auch im städtischen Raum verfolgen zu können.[5] Als verdächtig könnte damit bereits ein Rennen oder Fluchen auf öffentlichen Straßen bewertet werden.[6]

Es gibt auch bereits einen schönen Werbefilm dazu, dass wir auf diese Technologie dringend angewiesen sind:


YouTube Direkt

Wer Beispielsweise das Android Handy von Google kennt, der weiss, dass dort eine Bilderkennungs Software eingebaut ist. Die zukünftigen Möglichkeiten mit derartigen Technologien und die Verknüpfungen mit Datenbanken birgt ein nicht zu Unterschätzendes Risiko auf unsere Privatsphäre.

Guter Artikel zum Thema auch bei Telepolis: http://www.heise.de/tp/blogs/6/149107

Ich simuliere, also bin ich

Claude, 19. Januar 2011, 11:01 Uhr

Man hört vermehrt, dass die Netzgeneration sich geschickter und schneller den neuen digitalen Umwelten anpasst. Diesen Mediendarwinismus halte ich für flach. Abgesehen von der Frage, ob denn wirklich alle so leicht zwischen virtueller und realer Welt hin und her switchen, rechnet das Argument des fliessenden Übergangs nicht mit der Adhäsivkraft der neuen Technologien. Die Gadgets, die unseren Alltag infiltrieren, «kleben» an uns, sinken ein in unsere Psyche. Man halte sich nur das allgegenwärtige Simsen, Twittern, Facebooken vor Augen. In solchem Verhalten äussert sich die Grundbefindlichkeit im Netz: Konnektivität. Ihre Kehrseite: Angst vor dem Nichtverbundensein – vor der Nichtexistenz. Aus dem kategorischen Imperativ des «Be connected!» lässt sich die grassierende Inkontinenz der elektronischen Kommunikation erklären.

«Fakebook»
Wir leben buchstäblich symbiotisch mit den Maschinen. Und in dieser Symbiose riskieren wir, den Kürzeren zu ziehen, d. h. die Balance zu verlieren. Wir sind keine Netzbenutzer mehr, wir sind Netzbenutzte. Vor über fünfzig Jahren, angesichts des massenhaften Aufkommens von Radio und Fernsehen, sprach Günther Anders vom «prometheischen Gefälle» zwischen Mensch und Technik. Der Mensch ist dem, was er hervorbringt, nicht mehr gewachsen. Er wird zum Anhängsel seiner Er findungen. Wenn Leute über ihr verlorenes Handy wie über einen abhandengekommenen Körperteil oder gar einen «Todesfall» klagen, drückt sich darin genau diese meist unbewusste Symbiose aus. – Simulation gehört zum Personsein. «Person» leitet sich ab von «Maske». In den Florentiner Uffizien hängt eine Bildtafel von 1510 mit der Aufschrift: «Jedem seine Maske (sua cuique persona)» – ein perfektes Motto für Facebook, dieses Forum zum Ausprobieren von Masken. Eigentlich müsste es «Maskbook» heissen – oder besser noch: «Fakebook». Das ist nicht per se schlecht. Ein spielerisches Umgehen mit sich und seiner Rolle – ein Sich-Erfinden, um sich zu finden – ist für Heranwachsende äusserst wichtig.

Aber als ebenso entscheidend erweist sich die soziale Viskosität, die Reibung am andern. Jemandem die Meinung ins Gesicht sagen ist viel schwieriger, als eine SMS zu schicken. Virtuelle Freundschaften pflegt man leicht, man kann sie anklicken und wieder wegklicken. Reale Freundschaft dagegen ist eine der härtesten Sachen der Welt. Man muss umgehen lernen mit Intimität und Distanz, mit Kompromiss und Selbstbehauptung, mit Sich-Öffnen und Sich-Abschliessen. Das Schnelle, Kurze und Glatte des virtuellen Miteinanders täuscht darüber hinweg, dass wir gerade in den zwischenmenschlichen Beziehungen die Werkzeuge zur Verfügung haben, unsere sozialen Kompetenzen zu «härten» und zu schleifen. Technologie, die sich anschickt, Heranwachsende von sozialer Reife zu «entlasten», macht das soziale Leben unverbindlich und unwirklich. Eine Gemeinschaft, die lediglich auf Partizipation ohne physische und persönliche Präsenz baut, befindet sich auf dem Weg zur Phantom-Gesellschaft.

Kompletter Bericht: Ich simuliere, also bin ich – NZZ

Die Macht des einfachen Textformats

Claude, 4. Januar 2011, 11:44 Uhr

geklaut von hier

Ich hasse Word. Das tut nie das, was man will.

Dieser Ausspruch läßt sich auf viele anderen Programme übertragen: Word, Excel, Powerpoint, die ganze OpenOffice Suite, Keynote, Numbers, Page, Graphikprogramme, und so weiter. Ganz spannend wird es, wenn eine Keynote-Präsentation in das Format von Powerpoint umgewandelt werden soll. Oder, noch schlimmer, Word nach OpenOffice Writer. Dann bleibt einem meistens nur noch übrig, den reinen Text von dem einen in das andere Programm zu kopieren und die Formatierung anschließend wieder nachzuvollziehen.

Einer der Gründe ist die Verwendung von sehr eigenwilligen Datenformaten. Heutzutage sind die meisten Office-Dateien nichts anderes als eine Sammlung von XML-Dateien, die in eine ZIP-Datei gepackt wurden. Manchmal hilfreich, meistens irrelevant. Selbst wenn diese Datenformate „normiert“ sind, jedes Programm interpretiert die Norm auf eine eigene Art und Weise. Im Ergebnis läßt sich jede Datei nur von einem Programm lesen und verarbeiten. Der Anwender ist dem Programm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Ein falsches Bit und der Anwender kann die Datei nicht mehr öffnen.

In vielen Fällen geht es auch anders. Es gibt ein Datenformat, dass in so gut wie auf jeder Plattform verfügbar ist: ganz normaler Text. Jedes Betriebssystem liefert mindestens eine Anwendung zum Erstellen von Textdateien mit. Unter Windows ist es Notepad, unter OSX ist es TextEdit, unter Linux gibt es vi, Emacs, gEdit und wie sie alle heißen.

Erstaunlich viele Daten lassen sich als normale Textdateien ablegen. Die meisten Texte lassen sich so schreiben. Für besondere Bestandteile können sogenannte Auszeichnungssprachen genutzt werden. Das müssen nicht gleich komplizierte Sprachen, wie XML, HTML oder LaTeX sein. Meistens reichen einfache Muster, wie Sie jeder bei normalen Text verwenden würde. Zum Beispiel wird eine Textpassage kursiv gestellt, indem diese mit dem Zeichen ‚*‘ eingerahmt wird. Übrigens, die meisten Inhalte von Wikipedia sind auf diese Art und Weise erstellt worden. Ein offeneres Format gibt es nicht.

Werden Dateien im Textformat erstellt, so eröffnet sich dem interessierten Anwender ein ganzes Biotop von Anwendungen:

  • ein paar hundert Programme der diversen (Unix-) Shells: grep, sort, diff, cut, …
  • zig Programme der (Windows-) Eingabeaufforderung
  • jede Programmiersprache erlaubt das Lesen und Verarbeiten von Textdateien
  • Versionskontrollsysteme, um die Änderungen zu protokollieren, alte Stände wiederherzustellen oder gleichzeitige Zugriffe zu koordinieren (Probieren Sie das einmal mit Word, Writer oder Pages)
  • Graphiken können zum Beispiel mit graphviz erstellt werden

All diese Programme arbeiten zusammen.

Zur Textformatierung gibt es wunderbare Werkzeuge:

  • reStructuredText interpretiert den eingegebenen Text sehr anwendernah und erzeugt daraus u.a. HTML-, XML, ODP- und LaTeX-Dokumente, sowie mit Hilfe von S5 ansehnliche Präsentationen.
  • Markdown, Multimarkdown und Textile erstellen mit einfachen Angaben strukturierte HTML-Dokumente.

Mit ganz normalem Text ist jeder Anwender Herr seiner Daten. Archivierungsprobleme gibt es nicht. Sicherheitsprobleme auch nicht. Es ist schon recht schwierig einen Schädling in einer Textdatei so unterzubringen, dass er unerkannt bleibt. Selbst wenn dieser in der schieren Masse von Text verborgen wird, es gibt immer genügend Werkzeuge, die nicht von dem Schädling betroffen ist.

Wenn das keine Gründe sind. Wann steigst Du um?