Scratchbook

Das Leben ist immer anders als die Realität.

Your Life Is Tetris. Stop Playing It Like Chess.

Claude, 1. Februar 2016, 18:07 Uhr

I grew up playing chess. It taught me a lot of great lessons about competition — and a lot of wrong lessons about life.

From the age of seven, I played chess constantly and competitively. I played in school, online, at national competitions. Chess taught me patience, perseverance, critical thinking — crucial skills for tackling life’s hard problems and difficult situations.

Chess wired me to think causally at a young age. Move your knight here; you’ll trap his bishop. Capture that pawn; you’ll weaken his right side. Every correct move led me closer to a checkmate; every false step brought me closer to defeat.

Chess also introduced the idea of the “other”. Black versus white. Our school versus theirs. And every game was zero sum — there was only ever one point to score, either to be shared or taken in its entirety. No way to grow the pie.

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32C3: Computational Meta-Psychology

Claude, 11. Januar 2016, 15:00 Uhr

Die Fortsetzung des genialen Vortrags From Computation to Consciousness vom letzten Jahr. Es geht um Denkviren, Religion, der Frage nach Gott, Evolution und der funktionsweise des Gehirns. Können wir herausfinden, dass wir uns in einer Simulation befinden? Können wir die Wahrheit herausfinden?

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Nordkorea – 1997 und 2016

Claude, 6. Januar 2016, 11:25 Uhr

1997 Nuclear Strike (Computerspiel, Electronic Arts)

2016

2015: Rückblick, Einblick, Ausblick

Claude, 21. Dezember 2015, 17:05 Uhr

Logbucheintrag für das Jahr 2015

Rückblick

Ein Blick aufs Inhaltsverzeichnis.

Anarchismus ist die Idee, dass alle zu kompletter Selbstbestimmung berechtigt sind. Kein Gesetz, keine Regierung und kein Entscheidungsverfahren sind wichtiger als die Bedürfnisse und Wünsche von menschlichen Wesen. Die Menschen sollten ihre Beziehungen frei nach gegenseitiger Zufriedenheit gestalten können, und für sich selbst einstehen, wann immer sie es für angebracht halten.

Anarchismus ist kein Dogma und keine Blaupause. Es ist kein System, das vermutlich funktionieren würde, wenn es nur richtig angewandt würde – wie die Demokratie – und kein Ziel, das in ferner Zukunft einmal realisiert werden könnte – wie der Kommunismus. Er ist eine Handlungsweise und eine Art, unsere Beziehungen zu gestalten, die wir sofort in die Praxis umsetzen können. In Bezug auf alle Wertsysteme und Handlungsweisen können wir mit folgender Frage anfangen: Wie verteilen sie Macht?

Alles Verändern. Eine mehrteilige Blogserie von crimethinc.com/tce

Lotto ist ein Verliererspiel. Ziele setzen, Ziele erreichen – ein Vortrag von Chrigel Maurer. Schlüssel zu anderen Dimensionen – Wie ein Münchener Bewusstseinsforscher über eine neue Raumklangtechnik abenteuerlustige Menschen auf andere Bewusstseinsebenen führt. Gedanken zur Unendlichkeit. Die Bilderberger haben sich wieder getroffen. Google entwickelt eine KI, die später mal auf Menschen schiesst. Abstimmungen bewirken nichts. Unsere Werte. Das passiert, wenn Bürger sich zu einer konzentrierten Aktion zusammenschliessen: Die Toten kommen.

Und ja, nach zwölf geschlagenen, gefrorenen Jahren: DAS war ein ultra-epischer, megageiler Sommer! Und SO sieht eine Orgasmuswetterprognose aus. Sie beschert uns diese Sommermomente!

Wenn die Hitze noch nicht gross genug ist: Komm ans Feuerfestival! Dort heizen wir ein.

Spielen ist wichtig und fördert die Intelligenz.

Die Wirrungen von Links und Rechts. Wer Nazi ist, bestimmen die Gesinnungswächter. Jeder, dem Freiheit und Wahrheit etwas bedeutet, und jeder, der glaubt, dass die Menschheit sich nur durch Wagemut und manchmal Unhöflichkeit weiterentwickelt, hat jetzt die Pflicht zu reizen, gifteln, ärgern, aufmischen und entrüsten; eine Pflicht, aus diesem neuen grauen Konformismus auszubrechen. Eine Pflicht, diese neuen Wächter der Anständigkeit lächerlich zu machen, eine Pflicht, ihnen zu sagen: Fickt eure Ortodoxien! Das Recht und die Pflicht, zu beleidigen.

Erfreulich: Thun stellt Videoüberwachung ein. Uruguay’s Präsident über Bescheidenheit, Gier, Freiheit, Krieg gegen Drogen, Frieden, den Papst, die Wegwerfgesellschaft, Reich und Arm, Nachhaltigkeit, Amerika’s Angst, Präsident-sein, leben und leben lassen, Integrität und Authentizität. Ein Thema tief erforschen mit der Fragetechnik nach Sokrates.

Chäpseli-Bischtole und Bumm-Gürtel in Frankreich. Das viel schlimmere Theater, dass die kriminellen Organisationen namens Staat und Regierung veranstalten: Zentrale Polizeikräfte einrichten, Verschlüsselung verbieten, Mimimi und Hurr Durr. Vergiss niemals: Das Problem ist Kontrolle.
Aber zu guter Letzt: Wir haben Blumen.

Forschungsprojekt Klang: Der Sound verschlechtert sich weltweit. Die besten Lautsprecher nützen nichts, wenn die Soundkarte schrott ist. DacMagic XS. Gute Soundsysteme: Kling & Freitag. Gute Musik: Kalya Scintilla. Doch das Rätsel um die Abtastrate ist nach wie vor ungelöst.

Einblick

„Das ist sicher eine gute Idee, wenn ich einen Teilzeitjob annehme, um auf ein sicheres Einkommen zählen zu können“, dachte ich Anfangs Jahr. 20%-30%, PHP und JavaScript. Tönt leicht. Das Problem nur: aus diesen 20% wurden 120%, der Firmeninhaber ist ein narzisstischer Chef, dem man es nie recht machen kann und dem man pro Tag eine Diplomarbeit abliefern muss – mindestens. Besser Master- oder Doktorarbeit. Ich hab’s gesehen. Ich bin einfach kein Angestellter. Im Juli war ich wieder auf freiem Fuss. In dem undefinierten Zustand „nicht angestellt, nicht arbeitslos, nicht selbstständig.“ Undefiniert, aber nicht mehr gebunden oder gezwungen.

Wie der Staat wirken kann, kriegte ich im August zu spüren. Die Hausdurchsuchung. Das Timing war perfekt, ich war abwesend und habe Wege gefunden, um alles wiederherzustellen. Im Nachhinein war’s eigentlich eine ganz wertvolle Erfahrung, und ich bin schon ein wenig stolz darauf, dass ich das auch mal hautnah miterleben durfte. Doch das Verfahren läuft noch.

Endlich habe ich den Schritt gewagt und bin gezügelt. Das wurde aber auch höchste Zeit! Der Trott am alten Ort, ich hielt es nicht mehr aus. Interessant finde ich ja, wie alles so nahtlos und leicht geklappt hat. Erst dachte ich; Zügeln, das wird bestimmt teuer. Da brauche ich mindestens zwanzig Tausendernoten, mit Zügelfirma, Reinigung, Kaution und Übergangsfrist.
Doch das Wunder geschieht, wenn man einfach mal macht und sich ins Unbekannte stürzt. Ich hatte gekündigt, bevor ich wusste, wohin es gehen wird. Die Türen haben sich dann schon aufgemacht. Und wie. Der Übergang ging fliessend, gereinigt habe ich selber, und es fanden sich Leute, die mir beim Zügeln halfen. Das ging alles über die Bühne, ohne dass ich das Gefühl hatte, in Geldnot zu geraten. Wundervoll. Jetzt sitze ich in einem eigenen Haus. Das Feuer knistert im Schwedenofen, das warme Licht strahlt Ruhe aus, ich schaue ihm zu. Der Rauch verströmt einen süssen Duft in der Wohnung. Es ist kuschelige 27°C im Winter, ich kann blutt umenrennen, frei, warm, wohlig. Links von meinem Tisch steht ein Basskübel, so gross, dass er noch knapp unter den Tisch passt. Er ist still, wenn er nichts zu sagen hat, damit er die Musik nicht übertönt. Aber wenn er etwas zu sagen hat, dann lässt er einen Betonklotz fallen, der Mark und Bein erschüttert, sich durch den Erdball fortpflanzt und in Australien die Margrittli zum Boden rausspickt. Als ob mir jemand mit einem Skischuh an den Stuhl ginggt. Er setzt den Raum in ein Unterbassbad, während die Mittel- und Hochtöner mir Glasscherben und Laserstrahlen ins Gesicht schmeissen. Ich kann bis zum Anschlag aufdrehen, ohne dass die Anlage kaputt geht, weil alles so schön aufeinander abgestimmt ist. Alle Klangdetails werden dargestellt, die Musik springt einem förmlich entgegen, doch die Höhen tun nicht weh in den Ohren, es gibt keinen Tinnitus. Musik spüren. JAAH, ENDLICH!

Ich bin da, wo ich mich zuhause fühlen kann.

Doch das beeindruckendste ist nach wie vor die Magie, die da spielte. Ich hatte schonmal so eine Aktion ins Ungewisse gemacht: Damals im 2012, der Schiffbruch. Job gekündigt. Und etwas Neues ist daraus hervorgegangen. Jetzt wieder. Wohnung gekündigt, und etwas wunderbares Neues ist daraus entstanden. Da scheint ein Gesetz dahinter zu sein. Ein Gesetz des Lebens.
Prominentestes Beispiel: Edward Snowden. Er hat sein bestehendes Leben komplett aufgegeben und mit dem Tod gerechnet. Jetzt sitzt er in Moskau (bestimmt hat er auch ein Lagerfeuer und einen fetten Basskübel in seinem Häusschen), und hält Vorträge und Reden via Videokonferenz. Auch er hat sich ins Ungewisse gestürzt, und etwas wunderbares Neues ist draus entstanden. Auch er hat die Ungewissheit, ob er überleben wird oder nicht.

„The fact that I burned my life to the ground […] has been the most liberating thing. You stop to worry about what might be tomorrow and instead, focus on today. This made me look at life in a completely different way and focus on what I can do opposed to what I might be able to do in five or 10 years‘ time. […] I have more hope today than I ever had before. I wake up every morning with a smile on my face – I gotta say, life is good.“

Wundervoll. Und genau so ist es.

Speziell finde ich auch, dass so viele aus meinem näheren Umfeld gezügelt haben. Vier Personen, fast um die gleiche Zeit. Das kann doch unmöglich ein Zufall sein. Irgendwie sind wir doch alle miteinander verbunden…

Ausblick

Es gefällt mir, wie ich Dinge ändern kann und wie sich dann alles ergibt, wenn man ins Unbekannte loszieht. Einfach sagen: Nein, das will ich nicht mehr, so nicht. Dann schmeisst man eine Kündigung und wartet. Und hat keine Ahnung, ob und wie es weitergeht. Und dann geht es plötzlich weiter, viel besser als vorher. Das ist so beeindruckend. Vielleicht ist es das, was die Menschen im Haus mit dem Kreuz und den Glocken oben meinen, wenn sie von „Gottvertrauen“ sprechen. Oder vom „Vertrauen ins Leben“.

Mein Thema fürs 2016: Recht, Gesetz und Gerechtigkeit. Ganz trocken. Das Verfahren der Hausdurchsuchung läuft und ich forciere dessen Abschluss im neuen Jahr. Sind wir mal gespannt…

2010: Bewusstsein
2011: Magie
2012: Der Weg
2013: Saturn’s Return
2014: The Hunger Games
2015: Staatsgewalt
2016: Recht, Gesetz und Gerechtigkeit

Wir haben Blumen

Claude, 20. Dezember 2015, 21:09 Uhr

Journalist: Verstehst du, was passiert ist? Verstehst du, warum diese Menschen das getan haben?

Sohn: Ja, weil sie sehr, sehr, sehr böse sind. Böse Menschen sind nicht sehr nett. Und du musst sehr vorsichtig sein und wir sollten wegziehen.

Vater: Nein, keine Sorge, wir müssen nicht wegziehen. Frankreich ist unser Zuhause.

Sohn: Aber was ist mit den bösen Buben, Papi?

Vater: Es gibt überall böse Buben.

Sohn: Sie haben Waffen. Sie können uns erschiessen weil sie sehr, sehr böse sind, Papi.

Vater: Sie mögen Waffen haben, doch wir haben Blumen.

Sohn: Aber Blumen sind für nichts da. Die sind hier für… sie sind zu… sie sind für…

Vater: Sicher sind Blumen für etwas da: Schau, jeder legt Blumen nieder.

Sohn: Ja.

Vater: Gegen die Waffen.

Sohn: Sind sie da, um uns zu beschützen?

Vater: Das ist richtig.

Sohn: Und die Kerzen auch?

Vater: Sie sind dazu da, um uns an die Menschen zu erinnern, die gestern gestorben sind.

Sohn: Die Blumen und Kerzen sind dazu da, um uns zu beschützen.

Vater: Ja.

Journalist: Fühlst du dich jetzt besser?

Sohn: Ja, ich fühle mich besser.

Frankreich

Claude, 24. November 2015, 11:25 Uhr

Frankreich hat eine Vorratsdatenspeicherung.

Frankreich hat die Videoüberwachung öffentlicher Plätze.

Frankreich hat einen eigenen Geheimdienst mit Massenüberwachungsprogramm.

Und dann in Frankreich:

Nichts hat’s gebracht.

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Nicht alles schlucken…

Daniel, 13. November 2015, 21:43 Uhr

nicht_alles_schlucken

Jeder Mensch kann in seelische Krisen geraten. Gleichwohl werden psychische Erkrankungen als Makel und Schande erlebt, geheim gehalten und schamvoll versteckt. „Nicht alles schlucken“ bricht mit diesem Tabu. Psychoseerfahrene Menschen, Angehörige, sowie Ärzte und Pfleger erzählen vor der Kamera von ihren Erfahrungen mit Psychopharmaka. Heilsam oder kränkend? Segen oder Fluch? Ein tragischer, bisher nicht gelöster Konflikt. Der Dokumentarfilm ist ein vielstimmiges Erzählen über Wirkungen und Risiken von Psychopharmaka

Psychopharmaka sind ein Riesenmarkt und ein Riesengeschäft. Doch was wissen wir über die Folgen jenseits von klinischer Forschung und Pharmaindustrie? Beziehungs- und Spracharmut bestimmen immer noch das Klima in psychiatrischen Institutionen. Das hat viele Gründe: Ein wichtiger sind die Psychopharmaka. Sie beruhigen, stellen aber auch seelisch still, insbesondere hoch dosiert.

In einem eigens für den Film geschaffenen Raum sind 20 psychiatrieerfahrene Menschen, Angehörige und Professionelle verabredet. Sie sprechen aus, was meist verschwiegen wird: die persönlichen Erfahrungen mit Psychopharmaka und das innere Erleben.

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32C3: Gated Communities

Claude, 6. November 2015, 07:33 Uhr

English version below

Es ist 2015, ein Großteil der Bevölkerung hat sich in schwer bewachte Inseln der Bequemlichkeit zurückgezogen:

  • Technische Ökosysteme einzelner Anbieter nehmen uns die harte Arbeit ab, unsere Mobiltelefone, Computer oder Fitnesstracker selbst auszuwählen oder noch deren Funktion verstehen zu müssen. Wir lassen ihre kommerziellen Interessen entscheiden, welche Medien, Nachrichten und Meinungsäußerungen wir wahrnehmen und welche den global gültigen AGBs entsprechen.
  • Filterblasen erlösen uns von der Qual, selbst denken zu müssen. Meinungsstarke Agitatoren geben akzeptable Informationsquellen und griffige Feindbilder vor.
  • Mit dem Friedensnobelpreis geadelte Staatengemeinschaften nehmen uns die moralische Last, über die Kosten unseres Wohlstands nachdenken zu müssen: Sie üben sich im Mauerbau, Biometrie-Experimenten und diskutieren den Schießbefehl – und lindern die Angst, die sie täglich schüren.
  • Der Politbetrieb nimmt uns die Last gesellschaftlicher Verantwortung, Mitbestimmung oder auch nur Einsichtnahme ab: Hinter verschlossenen Türen wird das Alternativlose in Abkommen zementiert.
  • Transnationale Überwachungssysteme helfen uns vorsorglich, unsere Mitmenschen in Gute und Böse, Nützlinge und Schädlinge einzuteilen. In einer umhegten Welt voll knapp vereitelter Terroranschläge und karriereentscheidender Sozialnetzwerkkontakte nehmen wir dankbar die Gelegenheit wahr, keine eigenen Gewissensentscheidungen fällen zu müssen. Systemveränderer und Umstürzler stören nur die Harmonie und werden ausgeblendet, blockiert, belästigt, verhaftet – oder in ihre eigenen Filterblasen abgeschoben.
  • Die Bewacher unserer Netze und Browser entledigen uns der schweren Entscheidung, welche unserer Verbindungen verzichtbar sind. Wir kommen nur noch in den Genuss jener Dienste, die sich uns leisten können, und werden mit relevanten Angeboten in genau der Geschwindigkeit versorgt, die uns zusteht.
  • Der Congress gibt uns Raum, Dinge selber zu machen, selber zu diskutieren, selber zu denken, selber zu entscheiden und selber basteln zu können. Unsere eigene Gated Community hilft uns gegen allerhand Bullshit-Bingo der Außenwelt.

Kommt doch mal raus aus Eurer und stattet uns einen Besuch ab.

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Die Drohnenakte

Claude, 19. Oktober 2015, 18:43 Uhr

Aus A VISUAL GLOSSARY

Vögel

Die erste Bombe, die aus einem Flugzeug abgeworfen wurde, explodierte in einer Oase ausserhalb von Tripoli am 1. November 1911.

Während des Fluges über Ain Zara, Lybien, lehnte sich Leutnant Giulio Gavotti aus seinem Flugzeug, welches wie eine Libelle aussah, und warf eine Haasen Handgranate ab. Sie landete „im Camp des Feindes, mit guten Resultaten.“

Einhundertjahre später werden Bombardements durch pilotenlose Flugzeuge durchgeführt. Sie werden ferngesteuert, meistens aus einer Entfernung von der Hälfte des Erdballs. Wir bezeichnen sie als „Drohnen“.

Innerhalb nennen sie die Leute „Vögel.“

Piloten können ihre Ziele für Stunden verfolgen, oft aus klimatisierten Büros, bis sie den Befehl erhalten, zu feuern. Wenn es Zeit ist, guckt sich ein Raum voller Zuschauer an, wie das Ziel abgeschossen wird.

Das ist die Sitzordnung:

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Fragestunde nach Sokrates

Claude, 14. Oktober 2015, 17:21 Uhr

Warum isst du Raclette?

Weil wir hier versammelt sind zum Racletteessen.

Warum sind wir hier versammelt?

Weil wir jedes Jahr zusammenkommen.

Warum kommen wir jedes Jahr zusammen?

Weil wir Freunde sind…?

Warum sind wir Freunde?

Weil das eben so ist.

Warum ist das so?

Weil….Baum.
Vogel.
Sünneli und Wiese.

Dialog zwischen meinem Bruder und mir. Die sokratische Fragemethode deckt gnadenlos auf, was da verborgen im Unterbewusstsein schlummert und führt uns in die tiefsten Abgründe des „Warum“. Ich liebe dieses Spiel. Alle Antworten in Frage stellen und dumme Gegenfragen stellen, bis das Gegenüber verwirrt ist oder hoffnungslos aufgibt. :)

Wir könnten es weitertreiben:

Weil: Baum.

Warum Baum?

Weil «in der Wurzel liegt die Kraft.»

Warum liegt in der Wurzel die Kraft?

Weil sie die Nährstoffe vom Boden aufnimmt.

Warum nimmt sie Nährstoffe vom Boden auf?

Damit sie lebt.

Warum lebt sie?

Weil sie etwas ausdrücken will.

Warum will sie etwas ausdrücken?

Weil sie dafür geschaffen wurde.

Warum wurde sie dafür geschaffen?

Weil es ihre Bestimmung ist.

Warum ist es ihre Bestimmung?

Weil sie es so gewählt hat.

Warum hat sie es so gewählt?

Weil sie sich so entschieden hat.

Warum hat sie sich so entschieden?

Weil sie in ihrer Individualität diese eine Lücke ausfüllen will.

Warum will sie die Lücke ausfüllen?

Weil es eine Lücke ist und ohne sie eine Lücke bleibt und dann fehlt was.

Warum fehlt dann was?

Weil dann eine Lücke ist.

Warum ist dann eine Lücke?

Weil dann niemand die Lücke ausfüllt.

Warum füllt niemand die Lücke aus?

Weil sich noch niemand entschieden hat, sie auszufüllen.

Warum hat noch niemand sich entschieden, sie auszufüllen?

Weil er noch nicht manifest geworden ist.

Warum ist er noch nicht manifest geworden?

Weil er noch nicht sichtbar geworden ist.

Warum ist er noch nicht sichtbar geworden?

Weil die Zeitlinie noch nicht da angelangt ist.

Warum ist die Zeitlinie noch nicht da angelangt?

Weil sie noch hier ist.

Warum ist sie noch hier?

Weil sie noch nicht da ist.

Warum ist sie noch nicht da?

Weil sie noch hier ist.

Oops, Eine Schleife. Ich könnte jetzt die Frage etwas anders formulieren und ein weitergehen provozieren. Oder eine Nacht darüber schlafen und das Unterbewusstsein daran arbeiten lassen.

Aber hochinteressant, wohin das Gedankenvehikel fährt, wenn man nach Sokrates fragt. Ich hätte vor dem Schreiben noch nicht gedacht, dass ich zu Grundfragen der Existenz, Zeit und Manifestation gelange. Und das alles wegen einem Baum.